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Das Abo ist tot? Warum 73 % des OnlyFans-Umsatzes aus Nachrichten und PPV kommen

Verdienst8 Min. LesezeitStand

Inhalt (12 Kapitel)
  1. Woher kommt die Zahl 73 %
  2. Was ist PPV auf OnlyFans
  3. Ist das Abo wirklich tot
  4. Was bedeutet das für deine Preisstrategie
  5. Welche PPV-Preise sind üblich
  6. Wie oft solltest du Massennachrichten schicken
  7. Warum sind die ersten Tage nach einem neuen Abo so wichtig
  8. Was ist mit „Walen“, also Fans, die sehr viel ausgeben
  9. Wer schreibt eigentlich die Nachrichten
  10. Was folgt daraus für dich
  11. Häufige Fragen
  12. Unser Fazit

Woher kommt die Zahl 73 %?

Aus dem offiziellen Jahresabschluss der OnlyFans-Betreiberin Fenix International für das Geschäftsjahr bis zum 30.11.2025 1. In einer Anmerkung zum Umsatz (Note 4) schlüsselt die Firma ihre Einnahmen auf:

Umsatz der Plattform GJ 2025 Anteil Vorjahr Veränderung
aus Abos 422,5 Mio. $ 27 % 470,4 Mio. $ (33 %) −10 %
ohne Abo-Bezug (PPV, Trinkgeld, bezahlte Nachrichten u. a.) 1.130,8 Mio. $ 73 % 942,7 Mio. $ (67 %) +20 %
gesamt 1.553,3 Mio. $ 100 % 1.413,1 Mio. $ +10 %

Wichtig für das Verständnis: Das ist der Umsatz der Plattform, also ihr 20-%-Anteil an allen Fan-Zahlungen. Weil OnlyFans laut Nutzungsbedingungen von jeder Zahlungsart 20 % nimmt 2, gilt dasselbe Verhältnis auch für das Geld, das bei Creatorinnen ankommt.

Eine Einschränkung: Der Abschluss nennt nur „Abo“ und „nicht abo-bezogen“. Wie viel davon PPV, wie viel Trinkgeld und wie viel Livestreams ausmachen, schlüsselt er nicht weiter auf. Die Überschrift „aus Nachrichten und PPV“ ist deshalb eine Verkürzung. Genauer ist: aus allem außer dem Abo.

Was ist PPV auf OnlyFans?

PPV steht für Pay-per-View: Inhalte, die ein Fan einzeln bezahlt, um sie freizuschalten, zusätzlich zum Abo. Es gibt zwei Formen 3:

Dazu kommen Trinkgelder, also freiwillige Zahlungen, und individuelle Auftragsinhalte, sogenannte Customs. Für alles gilt dieselbe Gebühr von 20 %.

Ist das Abo wirklich tot?

Nein. Fans haben im Geschäftsjahr 2025 rechnerisch rund 2,1 Mrd. $ für Abos bezahlt, wenn man den Abo-Umsatz der Plattform von 422,5 Mio. $ durch ihren 20-%-Anteil teilt 1. Das ist eigene Rechnung, aber sie zeigt: Abos bringen weiterhin viel Geld. Sie wachsen nur nicht mehr, während alles andere stark zulegt.

Am besten beschreibt man das Abo heute als Eintrittskarte. Es bringt Fans auf dein Profil und gibt dir die Möglichkeit, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Das meiste Geld wird danach verdient. Für dich heißt das: Mehr Abonnenten allein bedeuten nicht automatisch mehr Umsatz. Entscheidend ist, was nach dem Abschluss passiert.

Was bedeutet das für deine Preisstrategie?

Abo-Preis und PPV-Strategie hängen zusammen. Es gibt grob drei Modelle, und keines ist grundsätzlich besser:

Modell Vorteil Nachteil
Bezahlte Seite planbare Einnahmen, Fans haben sich schon zum Zahlen entschieden weniger Reichweite
Gratis-Seite mehr Abonnenten, niedrige Einstiegshürde Einkommen hängt fast ganz an PPV, schwankt stark, viele Fans springen wieder ab
Beides kombiniert Gratis-Seite als Einstieg zur bezahlten doppelter Aufwand für Content und Betreuung

Agenturen nennen für Gratis-Seiten deutlich niedrigere Kaufquoten und höhere Abwanderung als für bezahlte Seiten 4. Diese Werte haben keine offengelegte Methode. Die Richtung ist plausibel, die genauen Prozentzahlen solltest du an deinen eigenen Statistiken prüfen.

Ein Detail aus den Nutzungsbedingungen ist wichtig: Wenn du deinen Abo-Preis erhöhst, verlängern sich bestehende Abos nicht automatisch zum neuen Preis 2. Eine Preiserhöhung kann dich also Stammfans kosten. Mehr dazu in Preise festlegen.

Welche PPV-Preise sind üblich?

Belastbare, unabhängige Daten gibt es dazu nicht. Was im Netz steht, stammt von Agenturen und Tool-Anbietern. Ein Anbieter von Chat-Software nennt etwa diese Spannen 5:

Inhalt genannte Preisspanne
Fotos 5–25 €
kurze Videos 10–35 €
lange Videos 25–80 €
Bundles 20–100 €
Customs ab 50 €

Als Einstieg für neue Fans werden niedrige Preise um 5 bis 15 € empfohlen, danach eine schrittweise Steigerung. Zur Kontrolle dient die Kaufquote: Kauft fast niemand, ist der Preis zu hoch oder der Zeitpunkt schlecht. Kauft fast jeder, ist er vermutlich zu niedrig. Welche Quote „gut“ ist, beantworten die Quellen unterschiedlich 54.

Sieh solche Tabellen als Ausgangspunkt für eigene Tests, nicht als Regel. Deine Zielgruppe, deine Nische und deine Grenzen bestimmen, was passt. Abo- und PPV-Preise aufeinander abzustimmen, gehört bei uns zum Service Profil & Preise.

Wie oft solltest du Massennachrichten schicken?

Seltener, als viele denken. Ein Tool-Anbieter empfiehlt höchstens zwei bis drei Massennachrichten pro Woche und keine an Fans, mit denen gerade ein Einzelgespräch läuft 5. Massennachrichten sollen eher Gespräche anstoßen als direkt verkaufen.

Für Massennachrichten ohne jede Einteilung der Fans werden sehr niedrige Kaufquoten genannt, im niedrigen einstelligen Prozentbereich 5. Wer Fans nach ihrem bisherigen Kaufverhalten einteilt und gezielter schreibt, soll deutlich besser abschneiden. Auch das sind Anbieterzahlen, und Begriffe wie Öffnungsrate und Kaufrate werden nicht einheitlich verwendet.

Warum sind die ersten Tage nach einem neuen Abo so wichtig?

Weil laut einer Stichprobe ein großer Teil der Käufe kurz nach dem Abschluss passiert. Eine Auswertung eines Traffic-Anbieters über rund 1 Mio. Abonnenten kam auf 83 % der Zahlungen in den ersten 48 Stunden 6. Die Studie ist eine bezahlte Pressemitteilung mit begrenzter Aussagekraft. Die Richtung deckt sich aber mit dem, was viele Creatorinnen berichten: Eine persönliche Begrüßung und die ersten Gespräche entscheiden viel.

Dieselbe Stichprobe kam übrigens auf nur 4,2 % zahlende Abonnenten und einen Nachrichtenanteil von fast 70 % am Umsatz 6. Auch das passt zur Richtung der offiziellen Zahlen.

Was ist mit „Walen“, also Fans, die sehr viel ausgeben?

Es gibt sie, aber die verbreiteten Zahlen sind übertrieben. Die Behauptung, wenige Großzahler brächten 80 % des Umsatzes, haben wir nicht belegt gefunden 5. Die einzige Stichprobe mit Zahlen kam auf 0,01 % der Fans mit rund 20 % des Umsatzes 6.

Hängt dein Einkommen an wenigen Personen, ist es anfällig. Fällt ein Fan weg, fehlt viel Geld. Dazu kommt eine ethische Frage: Manche Menschen geben mehr aus, als ihnen guttut. Signale wie Sucht, Einsamkeit oder finanzielle Not solltest du ernst nehmen und nicht ausnutzen.

Wer schreibt eigentlich die Nachrichten?

Das ist die Frage, die du dir stellen solltest, bevor du auf Nachrichten setzt. Wenn Umsatz vor allem im Chat entsteht, wächst der Druck, ständig erreichbar zu sein. Eine Creatorin aus Luzern berichtete SRF, dass rund die Hälfte ihrer Arbeitszeit auf Nachrichten und Bearbeitung entfällt 7. Eine ehemalige Creatorin sprach gegenüber Insider von mindestens zwei Stunden Nachrichten pro Tag 8.

Viele Agenturen setzen deshalb Chatter ein, also Mitarbeitende, die im Namen der Creatorin schreiben. In den USA laufen Sammelklagen, weil Fans dabei getäuscht worden sein sollen 9. Fenix selbst nennt Sammelklagen in seinem Abschluss als Risiko 1.

Für dich heißt das: Kläre, wer in deinem Namen schreibt, was gesagt werden darf und was nicht. Keine erfundenen Notlagen, keine Versprechen einer echten Beziehung, keine Grenzüberschreitungen, denen du nicht zugestimmt hast. Wie Chat-Betreuung transparent funktionieren kann, erklären wir in Wer schreibt mit deinen Fans?.

Was folgt daraus für dich?

Vier Dinge:

  1. Plane mit dem Gespräch, nicht nur mit dem Feed. Das Abo bringt Fans, der Umsatz entsteht meist danach.
  2. Teste Preise mit deinen eigenen Zahlen. Fremde Benchmarks sind ein Startpunkt, mehr nicht.
  3. Schütz deine Zeit und deine Grenzen. Leg fest, wann du schreibst, was du anbietest und was nicht. Nachrichten können sonst den ganzen Tag fressen.
  4. Rechne netto. Jeder PPV-Euro wird um 20 % Gebühr, gegebenenfalls Provision, Krankenversicherung und Steuern gekürzt.

Häufige Fragen

Alle Antworten als Liste
Wie viel Geld bekomme ich von einem PPV?

80 % des Preises, den der Fan zahlt. OnlyFans behält 20 %, genauso wie beim Abo 2. Davon gehen dann noch Steuern, Krankenversicherung und gegebenenfalls eine Agenturprovision ab.

Lohnt sich eine Gratis-Seite mit PPV?

Das kommt darauf an, wie viel Reichweite du mitbringst und wie viel Zeit du in Nachrichten stecken willst. Eine Gratis-Seite bringt mehr Abonnenten, aber das Einkommen hängt fast ganz an PPV und schwankt stärker. Viele Creatorinnen kombinieren beide Modelle.

Wie viele Massennachrichten sind zu viele?

Feste Regeln gibt es nicht. Anbieter empfehlen zwei bis drei pro Woche. Wenn Fans abspringen oder kaum noch öffnen, ist das ein Zeichen, seltener und gezielter zu schreiben.

Muss ich selbst chatten?

Nein, aber du bleibst verantwortlich für das, was in deinem Namen geschrieben wird. Wenn andere für dich chatten, brauchst du klare Regeln und Einblick in die Gespräche.

Was verdient man auf OnlyFans insgesamt?

Rechnerisch zahlte OnlyFans im Geschäftsjahr 2025 etwa 100 $ pro Creator-Konto und Monat aus, bei extrem ungleicher Verteilung. Mehr dazu in Was verdient man auf OnlyFans wirklich?.

Unser Fazit

Das Abo ist nicht tot, aber es ist nicht mehr der Kern des Geschäfts. Die offiziellen Zahlen zeigen klar, dass das Geld im Gespräch verdient wird. Das ist eine Chance, kostet aber Zeit und Nähe, und es braucht Regeln, die dich und deine Fans schützen.

Wenn du wissen willst, ob eine Zusammenarbeit mit uns für dich Sinn ergibt, findest du hier unser Erstgespräch.

Quellen (12)
  1. Fenix International Ltd: Annual Report and Financial Statements, Geschäftsjahr bis 30.11.2025, Note 4, Companies House, eingereicht 20.09.2026. https://find-and-update.company-information.service.gov.uk/company/10354575/filing-history/MzU0NTkyNjUxNGFkaXF6a2N4/document?format=pdf&download=0 (abgerufen 12.10.2026)
  2. OnlyFans: Terms of Service, Fassung August 2024. https://onlyfans.com/terms (abgerufen 12.10.2026). Eine überarbeitete Fassung (Stand Oktober 2026) gilt laut Branchenbericht ab November 2026 12.
  3. OnlyFans Help Center zu PPV-Nachrichten und -Beiträgen.
  4. Aruna Talent (Agentur): Blogbeiträge zu Abo-Modellen und Kaufquoten, ohne Methodenangabe. https://arunatalent.com/blog/state-of-onlyfans-2026/ (abgerufen 12.10.2026)
  5. desirely (Anbieter von Chat-Software): Ratgeberartikel zu PPV-Preisen und Massennachrichten. https://www.desirely.co/de/blog/onlyfans-ppv-strategie
  6. OnlyGuider/OnlyTraffic: Pressemitteilung, 28.05.2025, über Yahoo Finance (bezahlte Mitteilung, Stichprobe 1 Mio. Abonnenten, 2,05 Mio. $ Umsatz). https://finance.yahoo.com/news/study-men-spend-48-52-211500140.html
  7. SRF: „Porno-Business im Wandel: Wie unabhängig ist selbstständige Sexarbeit auf OnlyFans?“, 2021. https://www.srf.ch/porno-business-im-wandel-wie-unabhaengig-ist-selbststaendige-sexarbeit-auf-onlyfans
  8. Il Fatto Quotidiano, nach einem Bericht von Insider, 17.01.2024. https://www.ilfattoquotidiano.it/2024/01/17/dopo-3-anni-ho-chiuso-il-mio-profilo-onlyfans-nonostante-i-20-mila-dollari-al-mese-mi-sono-sentita-costretta-a-fare-cose-che-non-volevo-il-racconto-della-creator-su-insider/7413437/
  9. ClassAction.org: Bericht zur Klage N.Z. et al. v. Fenix International, Az. 8:24-cv-01655, eingereicht 29.07.2024. https://www.classaction.org/news/onlyfans-lawsuit-alleges-subscribers-unknowingly-talk-with-paid-chatters-not-actual-content-creators
  10. Eric Goldman, Technology & Marketing Law Blog: „OnlyFans Defeats ‚Chatter Scam‘ Claim – N.Z. v. Fenix“, 21.12.2025 (zum Beschluss vom 12.12.2025, C.D. Cal.). https://blog.ericgoldman.org/archives/2025/12/onlyfans-defeats-chatter-scam-claim-n-z-v-fenix.htm (abgerufen 12.10.2026)
  11. Bloomberg Law: „OnlyFans Operator Dismissed From ‚Chatter Scam‘ Class Action“, 22.05.2026. https://news.bloomberglaw.com/ip-law/onlyfans-operator-dismissed-from-chatter-scam-class-action
  12. Supercreator (Tool-Anbieter): Ratgeber zum Update der OnlyFans-Nutzungsbedingungen 2026, 07.10.2026. https://www.supercreator.app/guides/onlyfans-terms-of-service-update-2026-what-changed (abgerufen 12.10.2026)

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