Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung. Stand: 12.10.2026.
Wenn es gerade passiert, lies zuerst das:
- Du hast nichts falsch gemacht. Verantwortlich ist die Person, die droht, nicht du.
- Zahl nicht und schick nichts mehr. Keine Bilder, kein Geld, keine Gutscheine.
- Lösch nichts. Mach Screenshots vom Chat, vom Profil und von der Forderung.
- Hol dir eine Person dazu, der du vertraust. Du musst das nicht allein durchstehen.
- Bist du in akuter Gefahr, ruf die Polizei: in Deutschland 110 1.
Wie läuft Erpressung über Instagram typischerweise ab?
Meistens beginnt es freundlich und endet mit einer Drohung samt Frist. Drei Varianten kommen häufig vor 3:
- Sextortion klassisch: Ein neuer Account baut schnell Vertrautheit auf, flirtet, schlägt einen Wechsel auf Telegram oder Snapchat vor und bittet um intime Fotos oder einen Videocall. Danach kommt die Forderung: Geld, sonst werden die Bilder an deine Follower geschickt.
- Outing-Drohung: Gerade bei Creatorinnen häufiger. Jemand hat dein Gesicht, ein Tattoo oder einen Hintergrund per Bilder-Rückwärtssuche mit deinem privaten Profil verknüpft und droht: „Ich schicke deiner Familie, deinem Partner oder deinem Arbeitgeber, was du machst.“ Gefordert werden Geld, kostenlose Inhalte oder Inhalte, die du nicht machen willst.
- Doxxing-Drohung: Die Drohung zielt auf deinen Klarnamen, deine Adresse oder dein Geburtsdatum, die veröffentlicht werden sollen.
Typische Warnzeichen sind neue Accounts mit wenigen Beiträgen, auffallend schnelle Vertrautheit, der Druck, auf einen anderen Messenger zu wechseln, die Bitte um „Beweisfotos“ und eine kurze Frist bei der ersten Drohung 3.
Ist es meine Schuld, dass das passiert?
Nein. Verantwortlich ist, wer droht und Geld oder Inhalte fordert. Dass du intime Bilder geteilt hast, mit jemandem gesprochen hast oder als Creatorin arbeitest, ändert daran nichts.
Viele Betroffene schämen sich und sagen niemandem etwas. Genau damit rechnen die Täter. Die Scham ist ihr eigentliches Druckmittel. Sobald eine weitere Person Bescheid weiß, verliert die Drohung oft einen Teil ihrer Macht.
Solltest du zahlen oder auf die Forderung eingehen?
Nein. Wer zahlt oder weitere Inhalte schickt, zeigt dem Täter, dass die Drohung wirkt. Beratungsstellen und Polizei raten deshalb einhellig davon ab, und nach einer Zahlung kommen häufig neue Forderungen 34.
Das gilt auch für Forderungen, die nicht nach Geld aussehen: Gratis-Inhalte, ein Treffen, ein Videocall, „nur noch ein Bild“. Jede Gegenleistung verlängert die Erpressung.
Wenn du schon gezahlt hast: Das ist verständlich, und es ist kein Grund, jetzt nichts zu tun. Hör auf zu zahlen und nimm den Zahlungsnachweis zur Anzeige mit.
Was tust du in der ersten Stunde?
Sichern, nicht reagieren, melden. In dieser Reihenfolge.
- Nicht weiter antworten. Diskutiere nicht, droh nicht zurück, bitte nicht um Gnade. Wenn du etwas schreiben willst, dann höchstens einmal: „Ich zahle nicht.“ Danach nichts mehr.
- Beweise sichern, bevor du blockierst. Screenshots vom kompletten Chat, vom Profil des Täters mit Nutzername, von der Forderung, von Zahlungsdaten wie Wallet-Adresse oder Kontonummer. Notiere Datum und Uhrzeit. Speichere auch Nachrichten auf anderen Messengern.
- Nichts löschen. Weder den Chat noch deinen Account. Wenn du ihn löschst, sind auch Beweise weg.
- Den Account bei Instagram melden und blockieren. Instagram hat in der Meldefunktion eine eigene Option für Drohungen, intime Bilder zu teilen.
- Deine Accounts absichern. Neues Passwort, Zwei-Faktor-Authentifizierung, Liste der verbundenen Geräte prüfen, Profil für die nächsten Tage auf privat stellen, falls das für dich geht. Die Checkliste findest du in Instagram-Account absichern.
- Eine Vertrauensperson einweihen. Sie kann dir auch beim Sichern der Beweise helfen.
Wie hilft StopNCII?
StopNCII kann verhindern, dass deine intimen Bilder auf Partnerplattformen hochgeladen werden, und zwar auch dann, wenn bisher nur gedroht wurde 2. Der Dienst stammt von der britischen Organisation SWGfL und wurde gemeinsam mit Meta entwickelt 2. Er ist auch auf Deutsch verfügbar.
So funktioniert es: Dein Gerät berechnet aus dem Bild oder Video einen digitalen Fingerabdruck (Hash). Nur dieser Hash wird an die Partnerplattformen übermittelt, das Bild selbst verlässt dein Gerät nicht 25.
Voraussetzungen laut StopNCII 2:
- Du bist die Person auf dem Bild.
- Du hast die Datei auf deinem Gerät. Hast du nur Screenshots, solltest du sie möglichst eng zuschneiden. Ein Video ist damit aber womöglich nicht geschützt.
- Der Inhalt ist intim, also nackt oder sexuell.
- Du warst auf dem Bild über 18. Für Bilder von Minderjährigen verweist StopNCII auf den Dienst „Take It Down“.
Grenzen: StopNCII wirkt nur bei den Plattformen, die mitmachen. Welche das sind, steht auf der Partnerseite. Ob kommerziell verkaufte Inhalte ausdrücklich erfasst sind, sagt StopNCII nicht. Nach den genannten Kriterien sind Creatorinnen aber nicht ausgeschlossen 2. Gegen eine reine Outing-Drohung ohne intime Bilder hilft StopNCII nicht.
Werden Bilder tatsächlich verbreitet, gilt zusätzlich unser Leak-Notfallplan. Bei gefälschten oder KI-erzeugten Bildern hilft Deepfake von dir: Was du tun kannst.
Solltest du Anzeige erstatten?
Ja, wenn du es dir zutraust. Die Anzeige dokumentiert die Tat, auch wenn der Täter im Ausland sitzt, und kann helfen, den Account bei Instagram schneller loszuwerden.
Anzeige erstatten kannst du bei jeder Polizeidienststelle oder online über die Onlinewache deines Bundeslands. Nimm deine Screenshots und Zahlungsnachweise mit.
Ob weitere rechtliche Schritte möglich sind, kann dir eine Anwältin oder eine Beratungsstelle sagen.
Was tust du, wenn jemand droht, dich bei Familie oder Arbeitgeber zu outen?
Nimm dem Täter das Überraschungsmoment, indem du dir überlegst, was im schlimmsten Fall passiert und wie du dann reagierst. Das klingt hart, nimmt der Drohung aber oft ihre Kraft.
- Überleg, wer es wissen soll. Manche Creatorinnen entscheiden sich, Familie oder Partner selbst zu informieren, bevor es jemand anderes tut. Das ist keine Pflicht und keine Empfehlung, aber eine Möglichkeit.
- Beim Arbeitgeber: Unterschreib nichts, bevor du dich beraten hast. Was in deinem Fall gilt, kann dir eine Anwältin für Arbeitsrecht oder eine Beratungsstelle sagen.
- Kümmere dich um deine Spuren. Prüf, wie der Täter dich gefunden hat: ein wiedererkennbarer Hintergrund, ein Tattoo, ein Profilbild, das auch privat genutzt wird, ein verknüpfter Account. Mehr dazu in Anonym auf OnlyFans.
Wenn jemand deine Adresse kennt oder dich auch außerhalb des Internets verfolgt, ist das mehr als Erpressung. Lies dann Stalking und Doxxing und wende dich an die Polizei.
Wo bekommst du Unterstützung?
Bei Beratungsstellen, die Erfahrung mit digitaler Gewalt haben. Du musst dafür nicht wissen, ob du Anzeige erstatten willst.
- HateAid berät Betroffene digitaler Gewalt kostenlos, vertraulich und auf Wunsch anonym. Telefonisch erreichbar unter (+49) 30 252 088 38, montags 10–13 Uhr und donnerstags 15–18 Uhr, außerdem über ein Kontaktformular 1.
- WEISSER RING: Opfer-Telefon 116 006, täglich 7–22 Uhr, kostenlos und anonym, dazu eine Onlineberatung per Mail 10.
- Telefonseelsorge, wenn dich die Situation emotional überrollt: 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123, rund um die Uhr 1.
- Beratungsstellen für Sexarbeitende kennen die besondere Lage von Creatorinnen.
- Österreich und Schweiz: In Österreich erreichst du den Opfer-Notruf unter 0800 112 112, werktags 8–20 Uhr und kostenlos; er wird vom WEISSEN RING im Auftrag des Justizministeriums betrieben 12. In der Schweiz beraten die kantonalen Opferhilfe-Stellen kostenlos, vertraulich und anonym, landesweit erreichbar über die Nummer 142. Das ist keine Notrufnummer, in akuter Gefahr wendest du dich an die Polizei 13.
Wie kannst du vorbeugen?
Ganz verhindern lässt sich Erpressung nicht. Du kannst es Tätern aber schwerer machen.
- Privat und Business trennen: eigene E-Mail, eigene Telefonnummer, keine Verknüpfung von privatem und Creator-Account.
- Wiedererkennbares vermeiden: Fenster, Post, Kennzeichen, markante Möbel. Überleg, ob Tattoos sichtbar sein sollen.
- Bei schneller Nähe aufmerksam bleiben: Neue Accounts, die rasch flirten und auf einen anderen Messenger wechseln wollen, sind ein Warnsignal.
- Nacktfilter in DMs nutzen: Instagram bietet einen Schutz, der Nacktbilder in Direktnachrichten unscharf zeigt, für Erwachsene als Option 11.
- Einen Plan haben: Wer weiß Bescheid? Wen rufst du an? Wo liegen deine Beweise? Ein Plan macht dich weniger erpressbar.
Häufige Fragen
maeviaantwortet sofort
Hey 👋 Noch eine Frage zum Thema? Tipp einfach eine an.
Alle Antworten als Liste
Hört die Erpressung auf, wenn ich nicht zahle?
Oft verlieren Täter das Interesse, wenn klar ist, dass nichts kommt. Garantieren lässt sich das nicht. Deshalb sind Beweise, Meldung und StopNCII wichtig, damit du vorbereitet bist, falls doch etwas veröffentlicht wird.
Soll ich meinen Instagram-Account löschen?
Nicht sofort. Mit dem Account verschwinden auch Beweise. Stell ihn lieber vorübergehend auf privat und entscheide später in Ruhe.
Kann ich StopNCII nutzen, wenn ich die Bilder auf OnlyFans verkaufe?
StopNCII nennt als Kriterien nur, dass du die Person auf dem Bild bist, der Inhalt intim ist und du über 18 warst 2. Kommerzielle Inhalte werden weder ein- noch ausgeschlossen. Bei Leaks verkaufter Inhalte ist zusätzlich die Meldung über die Urheberrechtsformulare der Plattformen wichtig, siehe Leak-Notfallplan.
Was ist, wenn die Person mich persönlich kennt?
Dann ist die Anzeige besonders sinnvoll, weil der Täter greifbar ist. Lass dich zusätzlich anwaltlich beraten. Wenn du dich bedroht fühlst, wende dich sofort an die Polizei.
Ich bin unter 18. Was gilt für mich?
Wende dich an eine Vertrauensperson und an die Polizei. Für Bilder, die vor deinem 18. Geburtstag entstanden sind, verweist StopNCII auf den Dienst „Take It Down“ 2.
Und jetzt?
Wenn du gerade erpresst wirst, kümmere dich zuerst um dich: Beweise sichern, nicht zahlen, eine Person einweihen, Hilfe holen. Alles andere kann warten. Wenn du später deine Profile so aufstellen möchtest, dass sie weniger Angriffsfläche bieten, und wissen willst, ob eine Zusammenarbeit mit uns für dich Sinn ergibt, findest du hier unser Erstgespräch.
Quellen (13)
- HateAid: Betroffenenberatung, https://hateaid.org/betroffenenberatung/, abgerufen 12.10.2026.
- StopNCII: FAQ, https://stopncii.org/faq/, abgerufen 12.10.2026.
- Recherche-Zusammenfassung zu Sextortion und Outing-Drohungen gegen Creatorinnen (interne Recherche, Quellen u. a. Mimikama: „Sextortion: Wenn intime Bilder zur Erpressung werden“, https://www.mimikama.org/?p=426096).
- „Copyright scammers get Instagram accounts suspended and demand payment“, Malwarebytes, https://www.malwarebytes.com/blog/scams/2026/09/copyright-scammers-get-instagram-accounts-suspended-and-demand-payment, 10.09.2026 (zur Empfehlung der Ermittlungsbehörden, nicht zu zahlen).
- StopNCII: „How it works“, https://stopncii.org/how-it-works/, abgerufen 12.10.2026.
- HateAid / BMJ: Broschüre „Strafgesetzbuch und digitale Gewalt“, https://hateaid.org/wp-content/uploads/2025/11/hateaid-bmj-broschuere-strafgesetzbuch-digitale-gewalt-2025.pdf, November 2025.
- Strafgesetzbuch (StGB), §§ 126a, 201a, 240, 241, 253, https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/, abgerufen 12.10.2026.
- LTO: „Gesetz gegen digitale Gewalt beschlossen“, https://www.lto.de/recht/nachrichten/n/porno-sex-deepfakes-spanner-gesetz-gegen-digitale-gewalt-beschlossen, Oktober 2026.
- § 4 Kündigungsschutzgesetz (KSchG), https://www.gesetze-im-internet.de/kschg/__4.html, abgerufen 12.10.2026; Kanzlei Herfurtner: „OnlyFans“, https://kanzlei-herfurtner.de/onlyfans/, ohne Datum.
- WEISSER RING: Opfer-Telefon, https://weisser-ring.de/hilfe-fuer-opfer/opfer-telefon, abgerufen 12.10.2026.
- TechCrunch: „Meta will auto-blur nudity in Instagram DMs in latest teen safety step“, https://techcrunch.com/2024/04/11/meta-will-auto-blur-nudity-in-instagram-dms-in-latest-teen-safety-step, 11.04.2024.
- Opfer-Notruf (Initiative des Bundesministeriums für Justiz, betrieben vom WEISSEN RING Österreich), https://www.opfer-notruf.at/, abgerufen 12.10.2026.
- Opferhilfe Schweiz (SODK), https://www.opferhilfe-schweiz.ch/de/, abgerufen 12.10.2026.